Azubimarketing – eine CX schaffen, damit die richtigen Gen-Y’ler auch angesprochen werden

In den letzten Wochen habe ich verschiedene Artikel und Texte rund um Employer Branding und Generation Y gefunden und gelesen. Irgendwie erkannte ich darin Zusammenhänge und Verknüpfungspunkte, aber ich schaffte es nicht, dies zusammenzubringen. Jetzt hab‘ ich mal etwas Zeit und starte einen Versuch.

Beginnen möchte ich mit dem spannenden Artikel mit dem Titel „Employer Branding für die Generation Y: Was wenn die Manager von morgen keine Manager sein wollen?“ über den ich via Christoph Fellinger gestossen bin. Dabei beschrieben Gen-Y’ler, wie sie zu dem Irrglauben, die Gen-Y’ler seien nicht leistungsbereit und motiviert Verantwortung und Führung zu übernehmen, stehen. Sehr eindrücklich beschreiben sie die aktuelle Gefühlslage dieser Generation und kommen zum Schluss, dass es wohl nicht eine Frage des Willen ist, sondern mehr, worin die Motivation bestehen soll, nach den Zielen und Rollenverständnissen vorangegangener Generationen, zu handeln. Folgendes Zitat aus dem Artikel umschreibt es meines Erachtens sehr gut: „Meine Branche wird mich nicht im Altenheim besuchen wenn ich alt bin, wieso soll ich mehr darauf setzen, als das was es ist – ein Gelderwerb.“ Ein anderer Aspekt, der beleuchtet wird, ist die Herausforderung der Generation Y, dass sie, entgegen vielleicht früherer Generationen, viel mehr Wahlmöglichkeiten haben undd damit auch überfordert sind. Denn jede Entscheidung – soll ich eine Berufsausbildung oder ein Studium wählen – ist zumindest zwischenzeitlich auch immer eine Entscheidung gegen das Andere ist. Und wenn man dann die Resultate sieht, was die älteren Generationen mit den gewählten Karrierewegen erreicht haben: Burnout, Stress, kaum Zeit für Familie und Kinder, na da soll dann mal jemand eine gute Entscheidung treffen??

Der zweite Artikel, den ich hier erwähnen möchte, habe ich auf dem personalblogger-Blog unter dem Titel „Candidate Experience (CX) und die Generation Y“ gelesen. Darin geben Gen-Y’ler weitere Inpute zur Frage, was CX (Candidate Experience) mit der Generation Y zu tun hat. Sie kommen dann, wie Christoph Fellinger, zum Schluss, dass „die Bedeutung des persönlichen Treffens und Austauschs [im beruflichen steigen wird]. Daher werden der persönliche Kontakt zum Unternehmen und das persönliche Erleben im Bewerbungsprozess immer wichtiger.“ Vor allem, so die Autoren, werde für die Arbeitgebermarke und das Employer Branding zunehmend wichtig, dass diese Generation mehr Wert auf emotionale Aspekte des Arbeitgeberangebots als Generationen davor legt. (vgl. Parment 2009, S. 26).

Wenn ich dies mal so zusammen nehme und überlege, was ich jetzt von beiden Artikel für die Frage nach einem „besseren“ Employer Branding für die Generation Y – oder ganz einfach für mein Auzubi-Marketing – mitnehme, dann komme ich zu folgenden Gedanken:

  • Die Zielgruppe ist sehr leistungswillig und leistungsbereit. Das merke ich auch 1:1 im Alltag und kann ich nur bestätigen
  • Die Zielgruppe ist kritischer und rennt nicht mehr nur den etablierten und durch die Älteren vorgelebten Karriere- und Lebensplänen hinterher. Sie wollen sich ein eigenes Bild machen und so selber über den richtigen Weg entscheiden
  • Die emotionalen und persönlichen Aspekte – fühle ich mich da wohl? Wie sieht die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten aus? Gefällt es mir dort überhaupt? – sind wesentliche und zunehmend wichtige Aspekte in der Entscheidfindung und somit auch im Azubimarketing.

Das lässt sich für mich eigentlich mit einfachen Worten zusammenfassen. Die Ansprache und die Anwerbung muss auf „Aufgenhöhe“ stattfinden. Es bringt nichts, und die Generation Y goutiert dies auch nicht, wenn wir auf Hochglanz eine Welt vorspielen, die es dann gar nicht gibt, und die den Werten der Vorgänger-Generationen entspricht. Das interessiert die Gen-Y eh nicht, bzw. diesen Idealen will sie auch gar nicht nachstreben. Es muss uns gelingen, eine authentische Sicht unserer Ausbildungsstellen zu zeigen, damit die Kandidaten auch erkennen können, worauf sie sich einlassen und wofür sie sich wirklich entscheiden. Nicht anbiedern, oder übertreiben – realistisch, authenthisch, auf Augenhöhe. Das schliesst sich eigentlich gut an meinen früheren Gedanken an und führt zu folgenden Punkten:

Wir müssen einen Rekrutierungszugang – bzw. Bewerberzugang ermöglichen, der zielgruppengerecht ist. Und je nach Bewerberphase unterschiedlich sein kann:

  • Informationen über das Angebot und die Inhalte dort anbringen, wo die Zielgruppe sich befindet: Social Media ist hier sicherlich ein Stichwort.
  • Dann muss aber die Möglichkeit geboten werden, dass die Kandidaten auch einen echten, authenthischen und emotionalen Eindruck erleben können. Das könnte eine Peer-to-Peer-Kommunikation über Social Media sein, aber auch Besuchstage, Schnuppermöglichkeiten usw. sein
  • Dann müsste ein einfacher Weg für die Bewerbung bestehen – ausserhalb der normierten Standard-Formulare auf eRecruiting-Plattformen.
  • Und dann bräuchte es eine qualitativ gute, ebenfalls zielgruppengerechte Kommunikation während des Prozesses: Standardfloskeln, kein Feedback, keine Zwischenbescheide usw. sollten vermieden werden.

Eigentlich ja gar nicht so schwierig – und trotzdem haben wir noch einiges zu tun. Aber wenn wir den Kontakt mit den Gen-Y’ler nicht scheuen, dann kommen wir hier sicherlich einen Schritt weiter.

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