Brauchen HR Marketeers künftig mehr pädagogische Kompetenz?

Vor einiger Zeit spielte ich schon mal mit meiner These, ob die Bereiche Employer Branding und Ausbildung künftig nicht stärker zusammenschmelzen werden. Zwei Beiträge, die ich Anfang Woche unabhängig von einander las, regten diese Gedanken erneut an… Aber eins nach dem anderen.

Letzte Woche schrieb Dr. Daniel Stoller-Schai für den SOOC 13 einen Gastbeitrag mit dem Titel „Social Media und Bewerbungsszenarien“ in welchen er 10 Thesen formulierte. 5 Thesen für Arbeitnehmende, also wie diese Social Media zur Attraktivitätssteigerung einsetzen können und sollten und 5 Thesen für Arbeitgeber, um auch künftig genügend gut qualifizierte Arbeitnehmende ansprechen und gewinnen zu können.

Zusammenfassend kommt Stoller-Schai in seinen Aussagen für die Arbeitgeber zum Schluss, dass sich diese aktiv und dauernd präsentieren sollen und müssen. Denn dauernd interessieren sich irgendwelche Personen für die Unternehmung und machen sich dabei ein Bild davon. Authenthische, ehrliche, proaktive und andauernde Kommunikation mit der potenziellen Zielgruppe sei auch künftig wichtig. Die Social Media-Plattformen, oder ganz generell das Internet, bieten hierzu zusätzliche und neue Möglichkeiten. Und wie Stoller-Schai schreibt „wer weiss, vielleicht verbirgt sich hinter dem nächsten Post auf der Unternehmens-Facebook-Page der nächste, neue Mitarbeitende?“.

Soweit mal nichts Neues. Unter dem Begriff Storry-Telling haben verschiedene HR-Blogger eine immer stärker aufkommende Form von HR-Marketing-Aktivitäten beschrieben (siehe nur einige Beispiele Wollmilchsau-Blog oder auf dem recruitainment-Blog). Und dabei kommt häufig auch das Video als Format zur Sprache. Mit mehr oder weniger gelungenen Stellen- oder Unternehmensvideos sollen authenthische Geschichten aus dem Alltag im Unternehmen XY dargestellt werden. Soweit auch mal gut.

Speziell erwähnen möchte ich den Beitrag von Jo Diercks des recruitainment-Blogs mit dem Titel „Warum sich animierte Erklärvideos für das Employer Branding eignen“ erwähnen. Jo Diercks kommt dabei unter anderem zu folgenden Argumenten, weshalb diese Art von Videos, die von der Firma Common Craft in der Aus- und Weiterbildung schon länger bekannt gemacht wurden, gut einsetzen lassen:

  • Viel Content in kurzer Zeit
  • Vermittlung komplexer Inhalte
  • Unabhängigkeit von Darstellern
  • Wiederverwendbarkeit

Mich haben die Beispiele sehr angesprochen. Und wenn ich nun meine Brille als Personalentwickler anziehe, dann sehe ich hier durchaus Parallen. Diese Erklärvideos sind doch schon sehr bekannt. Wieviele Compliance-Trainings haben wir schon durchgearbeitet, in denen genau solche Art von Erklärvideos eingesetzt werden? Oder all die IT-Security-Themen? Kurz, knackig, informativ, unabhängig von Darstellern, und durchaus im Stande, komplexe Inhalte simpel darzustellen. Aber wer schon einmal an einem solchen Video mitgearbeitet hat, weiss, ohne ein gut durchdachtes Skript, mit all den didaktischen Fragestellungen (Zielgruppe, Lernziel, Spannungsbogen, „Vom Allgemeinen zum Spezifischen“, usw.) funktioniert’s nicht. Diese Themen braucht es aber auch, um ein Erklärvideo, welches im Employer Branding eingesetzt werden soll, zum Gelingen zu bringen. Erklärvideos, seien diese nun in der betrieblichen Weiterbildung, im Employer Branding oder im Kontext des immer mehr diskutierten „educate your customer“ benötigen einen sauberen, didaktischen Aufbau. Also doch – die künftigen HR-Marketeers müssen über mehr pädagogische Kompetenzen verfügen, nicht? Fliessen hier die Recruiting/HR-Marketing-Abteilungen und die Personalentwicklung stärker zusammen? Oder zumidnest die e-Learning-Spezialisten?

Ich hoffe, ich trete mit diesen Aussagen nun niemandem zu nahe! Wenn ich meine erlebte Realität aktuell ansehe, dann bestehen zwischen den einzelnen HR-Disziplinen häufig noch grössere Gräben oder Hürden. Mal davon ausgehend, dass diese Strömungen überhaupt verstanden und akzeptiert werden 🙂 Ich fühle mich in diesem Verständnis auch bestärkt, da Daniel Stoller-Schai, dessen eingangs erwähnte Text, mich hier erst wieder auf diesen Gedanken brachte, gar nicht aus der HR bzw. Marketing-Welt kommt, sondern in den verganenen Jahren stark im Umfeld des Corporate Learnings anzutreffen war und immer noch ist.

Ich bin mal gespannt, wie sich dies weiterentwickeln wird. Auf alle Fälle heisst es für ich, beide Perspektiven im Auge zu behalten…

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